Ernährung in den ersten Lebenswochen

In den ersten Lebenswochen ist die Muttermilch die einzige und vollständige Nahrungsquelle für das Fohlen. Eine gesunde Stute produziert in den ersten Wochen täglich mehrere Liter Milch mit hohem Energiege- halt, Proteinen, Fett und wichtigen Mineralstoffen. Ein gesundes Fohlen trinkt viele Male täglich kleine Mengen – das ist vollkommen normal.

Kann die Stute das Fohlen nicht selbst säugen (z. B. nach dem Tod der Mutter oder bei Milchmangel), muss auf Stutenmilchersatz zurückgegriffen werden. Kuhmilch ist als Ersatz ungeeignet, da sie eine andere Zusammensetzung hat und zu Verdauungsstörungen führt.

Ab wann festes Futter?

Fohlen beginnen schon nach wenigen Wochen, die Mutterstute beim Fressen zu beobachten und erste Versuche mit Heu und Gras zu unternehmen. Diese Neugier sollte gefördert werden:

  • Ab Woche 2–4: Erste Kontakte mit hochwertigem, staubfreiem Heu fördern
  • Ab Monat 2: Fohlen können beginnen, Fohlen-Ergänzungsfutter (sog. Creep Feeding) aufzunehmen
  • Ab Monat 3–4: Zunehmend eigenständige Heu- und Weidegrasaufnahme
  • Absetzen (ca. Monat 5–6): Vollständige Umstellung auf eigenständige Futteraufnahme

Creep Feeding – sinnvoll oder nicht?

Beim Creep Feeding wird dem Fohlen über einen speziell gesicherten Futterbereich (für die Stute unzugänglich) ein Fohlen-Spezialfutter angeboten. Dies kann besonders dann sinnvoll sein, wenn:

  • Die Stute wenig Milch produziert
  • Das Fohlen untergewichtig erscheint
  • Der Absetzzeitpunkt vorbereitet werden soll

Wichtig: Fohlenfutter sollte speziell auf den erhöhten Mineralstoffbedarf der Wachstumsphase ausgelegt sein. Besonders Calcium, Phosphor, Zink, Kupfer und Selen sind in der richtigen Balance entscheidend für gesunde Knochen- und Gelenkentwicklung.

Die Absetzphase und ihre Herausforderungen

Das Absetzen (meist mit 5–6 Monaten) ist ein Stressmoment für Fohlen und Stuten. In dieser Phase verändert sich der Energiebedarf des Fohlens erheblich. Folgende Punkte sollten beachtet werden:

  1. Heu ad libitum: Qualitativ gutes Heu sollte immer zur freien Verfügung stehen.
  2. Kraftfutter reduzieren: Zu viel Energie führt zu DOD (Developmental Orthopedic Disease) – Entwicklungsstörungen der Knochen und Gelenke.
  3. Mineralergänzung: Ein ausgewogenes Mineralfutter oder ein spezielles Jungpferdeergänzungsmittel ist oft notwendig, da Heu allein nicht alle Nährstoffe deckt.
  4. Wasser: Frisches, sauberes Wasser muss immer zugänglich sein.

Typische Fütterungsfehler vermeiden

FehlerMögliche Folge
Zu viel KraftfutterOCD, Wachstumsschübe, Knochenschäden
MineralstoffmangelSchlechte Knochenentwicklung, schlechtes Haarkleid
Schlechte HeuqualitätVerdauungsprobleme, Stauballergie
Zu frühes AbsetzenStress, Immunschwäche, schlechte Entwicklung

Fazit

Die Ernährung von Fohlen ist kein Hexenwerk, aber erfordert Aufmerksamkeit und Wissen. Wer auf hochwertige Grundfuttermittel setzt, Kraftfutter maßvoll einsetzt und regelmäßig eine Gewichts- und Entwicklungskontrolle vornimmt, legt den Grundstein für ein gesundes und leistungsstarkes Pferd.